Samstag, 19. Juli 2008

Durch den Monsun…

Mit einem Satz wie „seit Wochen war die Stadt in einen heimlichen aber dauerhaften Regen getaucht“, gewinnt man sicherlich keinen Bachmannn-Preis. Auch die Hoffnung auf Auszeichnungen mit weniger hohem Ansehen sollte man aufgeben, wenn einem so etwas einfällt. Pseudopoetische Fehlleistungen dieser Kategorie suchen mich aber gelegentlich nun einmal heim. Zum Beispiel heute morgen gegen elf Uhr beim Öffnen des Fensters meines Schlafraumes. Angesichts des monsunartigen Gewichts über den nassen Dächern des Ortes kann ich nichts anderes denken außer träge Perioden, die eine ähnlich schwerfällige und uninspirierte Bewegtheit mitteilen, wie das geistlose Schwanken in den Bäumen vor meinem Fenster. Es ist nämlich seit Tagen schon so, als würde ein übertrieben sorgsamer Liebhaber meiner Heimatstadt aus einer gigantischen Sprühflasche immer und immer wieder einen gutgemeinten feuchten Segen über Straßen, Menschen, Tiere und Häuser versenden, so wie ein Pflanzenliebhaber im Wochentakt den Staub von seinen Wohnzimmer-Gummibäumen sprüht. Es ist ein nur benetzender Regen, der mir wenig erfrischend in den Nacken fällt, wenn ich an irgendeiner Straßenecke gedankenlos den Kopf senke. Durch ihn ist der Wohnort „bis an's Ende der Zeit“ staubfrei. Doch in diesem Augenblick ist es wieder da, das sinnlose Labsal für die undurstige Stadt!

Donnerstag, 17. Juli 2008

Knistervinyl of the week

Vinyl, CD, MP3? Der Vorteil einer Vinylplatte ist zumindest, daß sich der Lebenszyklus jedes einzelnen Tonträgers unwillkürlich (unbewußt?) als Spur in ihn einzuzeichnen vermag…oder so ähnlich. Knistervinyl verfügt jedenfalls über einen besonderen Reiz, der etwas mit dem Realzeitgefühl des Anhörens der Musik zu tun hat. Im besten Plattenladen diesseits des Ärmelkanals stieß ich neulich auf ein übriggebliebenes und ziemlich verknistertes Exemplar einer atemberaubend schönen Vinylplatte. Sie ist/war das Produkt der Zusammenarbeit zwischen der französischen Sängerin Brigitte Fontaine und dem Komponisten und Schauspieler Areski Belkacem. Würde ich sagen, die Musik sei chansonartig, wäre das nicht ganz korrekt, denn die Lieder klingen bisweilen sehr troubadouresk, auch wenn ich nicht genau weiß, wie sich die Musik der Troubadoure angehört haben mag. Am schönsten sind jedenfalls die Songs auf dem Album, in denen Brigitte Fontaine mit halbsekündiger Verzögerung aus dem Hintergrund die jeweils von Areski gesungene Verszeile echoartig wiederholt. Diese Wiederholungen sind wie das Vinylknistern: sie erinnern an die unauflösliche Präsenz musikalischer Augenblicke: „fort – da“, „geh' nicht wieder!“ Auf Brigitte Fontaine angesprochen, antwortete übrigens neulich eine dem ein oder anderen meiner Leser bekannte französische Immigrantin sehr spontan: „…sie ist ein bisschen verrückt – oder?“

Dienstag, 15. Juli 2008

Mix of the month

Wieder einmal sehr schöne Musik bei Deep-Groove: ein wundervoller Mix (auf das Kästchen rechts unten klicken) von einem meiner Lieblings-DJs: Chesney.