Mittwoch, 13. Mai 2009
Mittwoch, 6. Mai 2009
„Ligne de chance“
...die Szene aus Godards Pierrot le Fou im Pinienwald ist nicht die schönste aber doch sehr schön. Interessant auch, dass 37 Jahre vor Dick Cheney bereits über 'waterboarding' geredet wurde.
Donnerstag, 30. April 2009
Montag, 20. April 2009
Beste Band aller Zeiten...
Erzählt mir nix von irgenwelchen seltsamen neumodischen Hipster-Kapellen mit meinetwegen korrekten Polohemden , die Ihr aus irgendeinem Blog runtergeladen habt. Beste Band aller Zeiten sind Magazine! Ich weiß nicht, was ich hervorheben soll, deshalb mal "Permafrost" in der bekannten Youtube-Version. Das Sly Stone-Cover "Thank You For Letting Me Be..." gabs dort nicht...schade!
Freitag, 20. März 2009
Vom Schlafwandeln
„Es giebt einen Zustand des Menschen, der aber zu seiner Kranckheit gehört; da der Mensch seinen Cörper einstimmig mit den eingebildeten Chimairen bewegt. Der gelindeste Grad dieser Kranckheit ist, das Sprechen im Schlaf; stärckerer Grad dieser Kranckheit ist das eigentliche Nachtwandern, welches bey einigen so weit gegangen, daß sie sich an den Tisch gese[t]zt, und Abhandlungen verfertiget haben, die an sich sehr gut obgleich die Buchstaben unregelmäßig waren."
(I. Kant - Vorlesung zur pragmatischen Anthropologie, WS 1772/73, in: AA 25.1, S. 102)
Sonntag, 1. März 2009
„Sweet Power of Music“
JessicaI am never merry when I hear sweet music.
Lorenzo
The reason is your spirits are attentive:
For do but note a wild and wanton herd
Or race of youthful and unhandled colts
Fetching mad bounds, bellowing and neighing loud,
Which is the hot condition of their blood, –
If they but hear perchance a trumpet sound,
Or any air of music touch their ears,
You shall perceive them make a mutual stand,
Their savage eyes turn’d to a modest gaze,
By the sweet power of music: therefore the poet
Did feign that Orpheus drew trees, stones, and floods,
Since naught so stockish, hard, and full of rage,
But music for the time doth change his nature, –
The man that hath no music in himself,
Nor is not moved with concord of sweet sounds,
Is fit for treasons, stratagems, and spoils,
The motions of his spirit are dull as night,
And his affections dark as Erebus:
Let no such man be trusted: – mark the music.
(Shakespeare - The Merchant of Venice, V, 1, 69-88)
Donnerstag, 12. Februar 2009
„...diese große, herrliche, einzige That.“
„Herrmann: Nein, sag’ ich Ihnen. Liebe, Vergnügen, Spiel – alles, alles ist mir zuwider, verächtlich, klein: ganz ein andrer Trieb lebt in mir: wie eine Flamme brennt er in meiner Brust: wenn Sie diesen Durst löschen können, dann sind Sie mein Freund.Wilibald: Ich bin freilich ein schwaches Werkzeug in den Händen der Vorsicht; indessen wenn ich wüßte, was so eigentlich Ihr Wunsch und Begehren sey –
Herrmann: Nur eine That, eine Handlung, die meine Geburt auslöscht! O der Sohn eines Einnehmers [...] brennt mich Tag und Nacht wie eine Kohle in meinem Herze! Ich kann nicht ruhen, bis ich den Vorwurf rein ausgetilgt habe.
Wilibald: Wenn Sie das wünschen, so will ich Ihnen eine Handlung vorschlagen, die Ihnen bey Gott und Menschen Ehre bringen, eine That, die Ihren Namen durch alle vier Welttheile verbreiten, die Sie nach Jahrtausenden noch so berühmt machen wird wie alle Märtyrer und Heidenbekehrer: das Kind, das an der Mutter Brust liegt, wird Ihren Namen zuerst aussprechen lernen: der sterbende Greis wird ihn noch mit Dank und Ehrfurcht nennen: auf allen Kanzeln in Europa, Asia, Afrika und Amerkia wird Ihr Lob ertönen: Dichter und Redner in allen Sprachen der Christenheit werden Sie erheben: Ihr Bildniß wird in Sandstein und Marmor, in Kupfer, Erz, Gips, Wachs, Siegellack und Thon, in schwarzer Kunst, gestochen, geätzt, gemalt, als Büste, Kniestück und in Lebensgröße in allen Zimmern, Stuben und Kammern, unter venetianischen Spiegeln und an himmelblauen Brotschränken durch die ganze Welt zu finden seyn, man wird es an Uhren, auf Stockknöpfen und Dosen, in Ringen tragen, und nach Jahrtausenden werden sich noch Kenner und Antiquare über Ihre Nase zanken: Ihr Ruhm wird mit Himmel und Erde eine Dauer haben.
Herrmann: Und welches ist diese große, herrliche, einzige That?
Wilibald: Wir wollen die Berliner bekehren.
Herrmann stutzte und schwieg. Der Magister ließ seiner Verwunderung ein wenig Zeit und fuhr alsbald in seiner Rede pathetisch also fort:
‚Fromme Männer haben Boten ausgesandt, um beschnittne Juden und ungetaufte Heiden zu bekehren: fromme Männer haben sich zu einem so großen Endzwecke als Apostel gebrauchen lassen, haben mit Regen und Hitze, Sturm, Hagel, Donner und Blitz, mit rüttelnden Postwagen und ungeheuren Meereswellen gekämpft: bald sind ihnen die Schuhe, bald das Schiff, das sie trug, leck geworden: sie haben gefastet, gehungert und gedurstet, haben sich von den blinden Heiden Nasen und Ohren abschneiden, mit den Ohrläppchen an die Türen annageln, geißeln, sengen, stechen, braten, kochen und fressen lassen, um die Ungläubigen durch ihr Leben und Tod zu bekehren: aber niemand ist noch Apostel der Berliner geworden; und doch sind sie ungläubiger als Hottentotten und Malabaren, ohne Erkenntniß und Erleuchtung, Unwiedergeborne, Atheisten, Deisten, Sozinianer, ohne Glauben, eitel Sünder und Sündengenossen: sollte nicht uns die hohe Ehre aufgehoben seyn, diesen verirrten Haufen wieder auf den rechten Weg zurückzuführen? – Wir wollen es wagen: Bruder, laß uns muthig ihre Apostel werden und das Werk ihrer Bekehrung vollenden. Dann wird unser Ruhm von einem Ende der Welt bis zum andern erschallen.‘
Herrmann fand anfangs eine kleine Bedenklichkeit bei dem Vorschlage, oder vielmehr dieser Weg, Ruhm zu suchen, war seiner Ehrbegierde zu fremd, um ihn sogleich zu betreten: er wußte wohl, daß Männer durch edle, großmütige, gemeinnützige, muthige Handlungen, durch Patriotismus, durch wichtige Werke des Genies groß und berühmt geworden waren: aber daß man es durch Bekehrung andrer Menschen werden könne, davon sagte ihm alle seine Kenntniß und Erfahrung kein Wort. Er hörte also den Vorschlag innerlich und äußerlich ohne Beifall und Widerspruch an und versprach, ihn geheimzuhalten, welches sich der Magister sehr angelegentlich von ihm ausbat.“
(Johann Karl Wezel, Herrmann und Ulrike [1780], Heidelberg 1997, S. 296f. )
Abonnieren
Posts (Atom)