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Sonntag, 18. Oktober 2009

Moskitorollos und Markisen

„[…] und alles was köstlich ist / siehet das Auge.“
(Hiob 28, 10)

Montag, 22. September 2008

Stimmen im Strom

- so ein scheußlicher Montagmorgen! Etwas in dieser Art hatten wir doch …
- man sollte mehr arbeiten, dann fällt es nicht auf!
- den Smog … an der Bushaltestelle riecht man ihn besonders gut.
- komm lieber und nimm einen Zug Grippe-Dunst aus dem S-Bahnabteil. Die Sitze sind noch warm, es wird wenig geredet. Allgemeine Zeitungen versperren günstig den Blick.
- gerne - vielen Dank! Jetzt fühle ich mich besser. Sie haben mir durchaus geholfen.
- es ging mir nur darum, den Ernst aus der Situation zu nehmen!
- gut, das ist es wohl, was mir weiterhilft, jetzt in dieser Einöde.
- bis zum Ausstieg ist es noch ein Weilchen.
- und wie kommen die grauen Herren so früh schon in ihre hellblauen Hemden?
- sie sind geübt. Achten sie lieber auf das verregnete Licht hier in diesem hübschen Vorortbahnhof!
- „Essen-Steele“.
- sie haben denn Sinn für die Feinheiten.
- man kann die Folgen davon an zwei Händen abzählen.
- doch in den Schnellzügen herrschen andere Verhältnisse … fahren sie am Feitagnachmittag mal mit dem Zug in die Hauptstadt!
- so haben wir den verstopften Verkehr auf der Autobahn geschickt umgangen.
- die Kerle dort drüben suchen Ärger.
- ich werde mich impfen lassen.
- wir sind angekommen!
- es riecht nach Brems-Abrieb.
- gestern Abend habe ich aus dem Fernseher ein neues Wort gelernt.
- welches?
- „Hysterie-Bild“.
- das klingt interessant.
- je nachdem, aus welchem Blickwinkel man es sieht.
- alles geht so tropfenartig zu.
- man sollte nicht zu genau hinhören, man verliert leicht den Überblick.
- jetzt die Herbstsonne … eigenartig …
- das geht zu weit!
- ich bin nicht hier um Witze zu machen!

Samstag, 19. Juli 2008

Durch den Monsun…

Mit einem Satz wie „seit Wochen war die Stadt in einen heimlichen aber dauerhaften Regen getaucht“, gewinnt man sicherlich keinen Bachmannn-Preis. Auch die Hoffnung auf Auszeichnungen mit weniger hohem Ansehen sollte man aufgeben, wenn einem so etwas einfällt. Pseudopoetische Fehlleistungen dieser Kategorie suchen mich aber gelegentlich nun einmal heim. Zum Beispiel heute morgen gegen elf Uhr beim Öffnen des Fensters meines Schlafraumes. Angesichts des monsunartigen Gewichts über den nassen Dächern des Ortes kann ich nichts anderes denken außer träge Perioden, die eine ähnlich schwerfällige und uninspirierte Bewegtheit mitteilen, wie das geistlose Schwanken in den Bäumen vor meinem Fenster. Es ist nämlich seit Tagen schon so, als würde ein übertrieben sorgsamer Liebhaber meiner Heimatstadt aus einer gigantischen Sprühflasche immer und immer wieder einen gutgemeinten feuchten Segen über Straßen, Menschen, Tiere und Häuser versenden, so wie ein Pflanzenliebhaber im Wochentakt den Staub von seinen Wohnzimmer-Gummibäumen sprüht. Es ist ein nur benetzender Regen, der mir wenig erfrischend in den Nacken fällt, wenn ich an irgendeiner Straßenecke gedankenlos den Kopf senke. Durch ihn ist der Wohnort „bis an's Ende der Zeit“ staubfrei. Doch in diesem Augenblick ist es wieder da, das sinnlose Labsal für die undurstige Stadt!

Dienstag, 1. Juli 2008

Weltsekunden

Auf diesem Foto sind sie nicht zu sehen, doch am südlichsten Strand Mallorcas , der Platja de es Caragol, türmen sich Tonnen schwarzen Seetangs. Zum Land hin bewachen Bunkerruinen die triste Szenerie. Es gibt keine Aufsicht und nur ein knappes Dutzend Badender, denn man braucht vom Parkplatz am Kap Ses Salines aus eine gute halbe Stunde Fußmarsch bis hierher. Heute ist Samstag, der 10. Juni 2006. So recht traue ich mich nicht ins Wasser. In Frankfurt am Main steht es im WM-Gruppenspiel zwischen England und Paraguay, nach einem Eigentor von Carlos Gamarra in der dritten Minute, schon sehr früh 1-0 für die Briten. Das Fußball-Magazin Kicker spricht von einem „Blitzstart“. Im Südosten der spanischen Urlaubsinsel ziehen jetzt Gewitterwolken auf. Der singapurische Schiedsrichter Shamsul Maidin wird in weniger als zwei Stunden die bis zum Schluß torlose Begegnung zwischen Trinidad/Tobago und Schweden anpfeifen. Vom Ausflug zurück, stehe ich später in der Schlange des Supermarktes unseres Ortes und erkenne auf den Ausstellungsfernsehern der kleinen Elektro-Abteilung, die sich neben den Kassen befindet, an der Form der Schattenbildungen auf dem Rasen, das Spielfeld des Stadions meines Vereins. Den peinlichen Zwischenstand der Begegnung verraten die Ziffern am oberen Bildrand. Während der kurzen Fahrt vom Supermarkt zurück zur Wohnung wird kein Tor mehr fallen. Die Mannschaft des Karibik-Staates feiert nach Shamsul Maidins Schlußpfiff das Remis des ersten WM-Spieles in der Geschichte ihres Landes „wie einen Sieg“.

Sonntag, 18. Mai 2008

Herr des süßen Hauches

„Das Volk aber hatte, hörte Joseph, einen anderen Namen für ihn, einen zarten und zärtlichen. ‚Neb-nef-nezem‘ hieß es ihn, ‚Herr des süßen Hauches‘ - es war nicht mit Bestimmtheit zu sagen, warum. Vielleicht weil bekannt war, daß er die Blumen liebte seines Gartens und gern sein Näschen in ihrem Duft begrub.“

Thomas Mann, Joseph der Ernährer, Frankfurt 2004, S. 95

Donnerstag, 6. März 2008

Der Kevin und der Mirko

Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit muß Kevin vom Platz. Seine Mannschaft spielt gegen den portugiesischen Meister und liegt mit 0:1 zurück. Auf den Offensivspieler wartet am Rande der Coachingzone der Trainer, der zum üblichen Handschlag einen Arm ausstreckt. Doch plötzlich: die ganze Welt hat es gesehen - Kevin blickt starr vor sich her, geht auf die Bank zu, hüllt sich in den blauweißen Termomantel und setzt sich. Die anerkennende Geste des Vorgesetzten wird nicht erwidert. Der Reporter von Thurn und Taxis ist empört. Wie immer, hat er sofort ein Beispiel mit einer großen Persönlichkeit: "Wenn er so etwas beim Huub Stevens gemacht hätte...!" Doch der gegenwärtige Schalker Trainer ist nicht Hub Stevens. Es ist "der Mirko", wie ihn der junge Schalker Torhüter nach dem Spiel beinahe zärtlich nennt. Und "der Mirko" wird seit mehreren Wochen von seinem obersten Vorgesetzten demontiert. Presse und Fernsehen machen artig mit: jeden Tag dieselben Fragen. An Mirko Slomkas Person interessieren nur noch die mimischen Variationen von Genervtheit und Hilflosigkeit und die sadistische Vorfreude auf die nächste verbale Ohrfeige. Und Kevin ist schlau - er weiß das. Niemals würde er einem Huub Stevens, Hitzfeld oder Klinsmann den Handschlag verweigern, wie uns Thurn und Taxis erklärt. Und ebensowenig würde er sich jemals gegen den Willen des Trainers selbst einwechseln, wie einst Netzer. Zu riskant. Den taumelnden Trainer darf er jedoch an dessen eigenem ausgestreckten Arm verhungern lassen. Eine sichere Sache. Und der FC Porto ist heute das bessere Team - da kann nichts schiefgehen. Für einige wenige Sekunden bekommt das Champions League-Drama den Charakter einer Begegnung in der C-Jugend, wo alles auf die ödipalen Kämpfe mit dem Trainer-Urhorden-Anführer ankommt. Keiner mag Mirko und deshalb darf man ihn erst recht brüskieren. Doch Thurn und Taxis traut sich nicht, das treffende Wort zu sagen - dieses seltsame englische Wort, das die infame Geste auf nüchternste Weise ins rechte Licht setzen würde. Nun - es ist auch nicht mehr nötig, denn heute Abend ist das Schicksal gerechter als bei der C-Jugend oder der Urhorde. Es ist auf Mirkos Seite. Schalke gewinnt das Spiel glücklich im Elfmeterschießen. Der Trainer ist erleichtert und umarmt nacheinander jeden seiner Spieler.